Von Blankenstein nach Stiepel

In der letzten Woche erschien in der WAZ ein Artikel zur Wiederbelebung der „Stiepeler“ Fähre, der Mitglieder des Heimatvereins Blankenstein hellhörig machte: Was für eine charmante Idee der Stiepeler „Kümmerer“!

Kemnader Personenfähre mit dem Fährmann Wilhelm Röllecke (1893 - 1928)
Die Ruhr war schon immer ein Hindernis, welches mangels Brücken und schlechten Verkehrsverbindungen nur über eine Furt bei Kemnade oder über eine Fährverbindung überwunden werden konnte. Zwischen Kost und Herbede gab es vor 1893 keine andere Möglichkeit, die Ruhr zu überqueren. Von Blankenstein kommend, mußte man etwa bei der heutigen Haltestelle der Museumsbahn zunächst den alten Ruhrarm überqueren. Das geschah mit Hilfe einer kleinen Brücke, der „Zweipfennigsbrücke“ (mit Bezug auf die zu entrichtende Gebühr), aber das ging nur bei normalem Wasserstand, bei einem der häufigen Hochwasser musste man die Fähre der Familie Michels benutzen – Kosten für Fußgänger 4 Pfg. Danach ging man über einen Fußweg durch die Ruhrwiesen zur Anlegestelle der Fähre Westerberg, später Diergard, und konnte so nach Stiepel übersetzen .Fährmann Gustav Diergardt 1950 v. Friedel Tholl Die Kosten von 5 Pfg werden die Menschen damals zwar murrend, aber doch bereitwillig gezahlt haben, da es ihnen den weiten Fußmarsch über die Herbeder Brücke ersparte.Ruhrtal bei Blankenstein mit Blick auf Stiepel
Die Fährverbindungen waren polizeilich geregelt, so durfte der Fährmann z.B. keinen Gast länger als zehn Minuten warten lassen und auch nur das festgelegte Fährgeld fordern. Für die Stiepeler war dies die kürzeste Verbindung, um beispielsweise Amtsgeschäfte oder Arztbesuche in Blankenstein zu erledigen, hinzu kam noch die Möglichkeit, den Zug zu besteigen. So war die Fähre gut ausgelastet, zu besonderen Anlässen wohl eher überlastet, denn zur Pfingstkirmes 1920 in Blankenstein wurden an den drei Tagen insgesamt 10 000 Personen übergesetzt ! Im Herbst waren ähnliche Menschenmassen zur Stiepeler Fliegenkirmes unterwegs.Ruhr bei Blankenstein
Mit dem Bau der Kemnader Brücke 1928 entschärfte sich die Situation etwas, aber die Fährverbindung war nach wie vor recht beliebt. So bedauerten vor allem Sonntagsausflügler das Ende der Fähre in 1960. Der „eiserne Gustav“ (G.Diergard), sollte nach 43 Jahren sicherer Fahrt die Prüfung für den Fährführerschein nachholen – er weigerte sich, und darauf wurde der Fährbetrieb eingestellt. Die Ruhrwiesen wurden Naturschutzgebiet und dienten ausschließlich der Trinkwassergewinnung. Die Brücke wurde entfernt , zusätzlich wurde ein Gitter angebracht, das jeglichen Zugang verwehrte.
Der Heimatverein Blankenstein würde es sehr begrüßen, wenn die alte Fährverbindung wiederbelebt werden könnte, die Hardensteiner Fähre in Witten wurde – allen Unkenrufen zum Trotz – doch auch ein touristischer Renner. Für Hattingen /Blankenstein wäre eine Fährverbindung über die Ruhr ebenfalls ein zusätzliches touristisches „Highlight“.

Wolfgang Hermes

Die Informationen zu diesem Beitrag stammen aus dem Buch „Blankenstein an der Ruhr – Neues von damals“ von Ellen und Karl-HeinzBreitenbach.
Die Bilder sind aus der Sammlung unseres Vereinsmitglieds Peter Grote
und das Foto von Gustav Diergart aus dem Archiv von Friedel Tholl.

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Über Karl Sandmann

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